Frankfurter Hauptschule, Avantgarde für die Massen, seit 2013

Die Frankfurter Hauptschule (FHS) ist eine Künstlergruppe, die der Hochschule für Bildende Künste – Städelschule Frankfurt am Main nahe steht. Seit 2013 erforscht das Kollektiv Kunst- und Schmerzgrenzen im Stresstest des öffentlichen und medialen Raums. Mit ihren Interventionen lotet die FHS gesellschaftliche Belastbarkeiten und juristische Zuständigkeiten aus.

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Visionäre Ruinen, Taunusstraße, Städelschule, Kunst der Revolte. Revolte der Kunst, Frankfurt, 2018

Um gegen die Verdrängung von Drogensüchtigen aus dem Frankfurter Bahnhofsviertel zu protestieren, platziert die Künstlergruppe im Februar 2018 eine Skulptur in Form eines ausgebrannten Polizeiautos in dem Szenebezirk. Dazu schreiben sie: “Wir wollen völlig vercrackte Zombiehorden, die mit abgesägten Schrotflinten durch die Münchener Straße patroullieren, während der Rauch von ausbrennenden Einsatzwagen sich mit dem warmen Licht der Abendsonne mischt.” Diverse Passanten interagieren mit dem Autowrack: Sie machen Selfies, klettern auf das Dach, oder urinieren auf die Motorhaube. Beim Rundgang der Städelschule zeigt die FHS sowohl den ausgebrannten Streifenwagen, sowie das 20-minütige Video 242 TITEL BESSER ALS MARTIN KIPPENBERGER, das auf die Aktion Bezug nimmt. Der Polizeipräsident Frankfurts empört sich öffentlich während der Rektor der Städelschule die Arbeit als Kunst verteidigt.

FAZ, Monopol Magazin, FR

Stahlbad ist 1 Fun, Eiserner Steg, Galerie ConSpace, ATELIERFRANKFURT, Frankfurt, 2016

Im Sommerloch 2016 stellt die FHS ein Video online, in dem die Zuschauer aufgefordert werden, Liebesschlösser vom Eisernen Steg zu entfernen und sie der Künstlergruppe gegen 1,- € Belohnung pro Schloss zum Einschmelzen zur Verfügung zu stellen: “Wir sagen: Diese Schlösser sind moderne Keuschheitsgürtel. Hier geht es nicht um Liebe, sondern um Besitz.” Begleitet von medialem Furor werden tausendfach Schlösser abgegeben – vom Anzugträger über Studierende, migrantische Jugendliche, bis zur Familie mit Kinderwagen reicht das Spektrum der Schloßknacker. Zur Eröffnung einer Ausstellung im ATELIERFRANKFURT präsentiert die FHS das gegossene Objekt: Eine Stahlwanne, gefüllt mit Eiswürfeln, Bier- und Sektflaschen, an denen sich die Anwesenden bedienen können. Das Angebot wird von den Gästen der Vernissage gerne angenommen.

Spiegel, Freitag, Vice

Im Windschatten des Niedergangs, Galerie Kaiser P, Römerberg, Frankfurt, 2015

Im November 2015 kündigt die FHS eine Performance in der Galerie Kaiser P im Frankfurter Bahnhofsviertel an, in deren Verlauf sich jemand einen Schuss setzen soll. Diese Ankündigung wird mit der Kritik an einer Initiative verbunden, deren Ziel es ist, Drogensüchtige aus dem Bahnhofsviertel zu vertreiben: "Die Junkies gehören zum Bahnhofsviertel wie der Wind zum Meer.” Es folgt eine Untersuchung des Frankfurter Ordnungsamtes, das ein Verbot der Performance prüft. Das Kulturamt zieht seine Förderung zurück und schließlich sagen die Jungaleristen aufgrund des öffentlichen Drucks die Veranstaltung ab. Die FHS zieht daraufhin, gefolgt von hunderten Zuschauern und diversen Kamerateams, zum Römerberg, wo sich ein Mitglied der Gruppe vor dem Rathaus einen Druck macht. An der Frankfurter Goethe-Uni schreiben alle Jurastudierenden eines Jahrgangs im Sommersemester 2016 eine Klausur über den Fall “Heroin-Performance”.

FAZ, Bild, Welt

Operation Blumenmädchen, Bayreuther Festspiele, Bayreuth, 2013

Zum 200jährigen Richard-Wagner-Jubiläum im Jahr 2013 fälscht die FHS 50.000 Premierenkarten für die Bayreuther Festspiele und verteilt sie vor Ort als Postwurfsendungen mit einem fingierten Anschreiben der Festspielintendanz. In dem Anschreiben wird bekannt gemacht, dass im Zuge der medialen Redemokratisierung des Antisemiten Wagner auch andere große Deutsche wie Johann Gottlieb Fichte und Adolf Hitler öffentlich amnestiert werden sollen. Auch der Grüne Hügel müsse jetzt demokratisiert werden: ganz Bayreuth sei zum Auftakt des Festivals eingeladen. Die Polizei warnt vor gefälschten Eintrittskarten, die Festspiele verurteilen den versuch ihr Publikum zu täuschen, veranlassen Sonderkontrollen vorm Opernhaus und schicken massenhaft Premierengäste nach Hause. Die Intendantinnen und Wagner-Urenkelinnen erstatten Anzeige gegen die Künstlergruppe und die Kriminalpolizei ermittelt – erfolglos.

BZ, Süddeutsche, Jungle World